Tja, das war schon ein bemerkenswertes Branchen-Event in London. Am 28. April trafen in der Canadian High Commission in London alle namhaften Kanada-Reiseveranstalter Deutschlands und Englands mit den wichtigsten Skiresorts, -hotels und Tourismusvertretungen zusammen, um in einem eintägigen Workshop neue Trends und Meinungen auszutauschen und bei den kanadischen Partnern ein besseres Verständnis der kanadischen Partner für die Bedürfnisse der beiden Schlüsselmärkte in Europa zu ermöglichen. Kann so etwas klappen??? Ich hatte auch echte Zweifel! Aber es war echt nicht schlecht. Gute Organisation. Kurze einleitende Worte und dann direkt Einzeldiskussionen in mehreren Tischgruppen an kleinen Round-Tables über vorgegebene Themen und Probleme. Die Tischgruppen und Diskussionsthemen wechselten mehrfach. In der Finalrunde waren die Kanadier unter sich, genau wie die englischen und deutschen Veranstalter. So konnten noch einmal die wichtigsten Themen und Problembereiche für den jeweiligen Markt in schlagkräftigen Thesen zusammengefasst werden.
Mal ganz ehrlich, im Grunde war es von Beginn an klar, dass die Leistungsträger aus der Provinz Alberta Angst haben, in der internationalen Wahrnehmung an Boden zu verlieren – natürlich aufgrund des “Hypes” um die Olympischen Winterspiele in Vancouver / Whistler, also in der westlichen Nachbarprovinz. Andererseits ist es doch eigentlich auch egal, was die Motivation für so ein Treffen ist – Hauptsache, es findet endlich mal statt!
Natürlich war nicht jede einzelne Tisch- und Diskussionsrunde interessant. Manchmal hätte man auch ganz gut einschlafen können. Und sehr anstrengend war der Tag auch. Aber es gab auch wirklich interessante Erkenntnisse. Auf beiden Seiten. Und allein für ein solches Ergebnis macht ein derartiges Treffen wohl Sinn. Ich kann jetzt hier nicht alles aufzulisten, aber allein das Gespräch mit den Betreibern und Tourismusvertretern der wichtigen Skigebiete (wie Banff/Lake Louise/Sunshine oder Jasper/Marmot Basin) war echt spannend. Enorm, was sich da einige so an Projekten für die Zukunft vorgenommen haben! Auch der Austausch mit den Hotelbesitzern bzw. -managern war wirklich interessant.
Hat schon einmal jemand über das Thema “Après Ski in Kanada” nachgedacht? Das war eine der interessantesten Diskussionen. Die kanadischen Anbieter meinten, sie müssten möglichst kurzfristig eine ähnliche “Après-Ski-Infrastruktur” zur Verfügung stellen können wie in Österreich. Und die europäschen Veranstalter hielten dagegen, dass genau das nicht nötig sei. Kanada ist als Skierlebnis einzigartig und so soll es auch bleiben. Jeder Versuch, etwas anderes zu kopieren, kann nur in die Hose gehen. Das ist meine Meinung. Ich selbst liebe es, in Kanada zum Skifahren zu gehen, weil Kanada anders ist. Weil ich mehr Platz habe, weil weniger los ist. (und natürlich wegen des einzigartigen Schnees!!!). Kanadisches “Après Ski” bedeutet für mich, ausreichend gemütliche Pubs vorzufinden, wo ich ein Bier trinken kann und einen leckeren Burger bekomme. Ohne lautes Gedröhne, albern-obszönes Gejohle und die ganzen Besoffskis, die tagsüber keinen Ton rauskriegen und nach einigen merkwürdigen Alkoholmixturen (manchmal will man ja wirklich nicht wissen, was d so drin ist!) plötzlich meinen, sie wären Helden und Sexgötter (oder -göttinen…). Tja, wie gesagt, die Kanadier waren sehr überrascht. Es braucht wohl solche Treffen, um so manches Missverständnis aus dem Weg zu räumen.
Mal ein Diskussionsbeispiel einfach so rausgegriffen: der Einschluss des Frühstücks in den Hotelaufenthalt. Die Meinung der Kanadier war: Frühstück gibt es doch an jeder Ecke in Hülle und Fülle. Warum soll man es einschließen? Wir waren wieder völlig anderer Ansicht. Kaum ein europäischer Skifahrer hat Lust, sich in Kanada ums Frühstück zu kümmern. Frühstück ist uns nicht so wichtig. Ganz einfach. Wir brauchen es, aber wir wollen uns nicht darum kümmern. Wir wollen es nicht individuell und kreativ nach unseren persönlichen Neigungen zusammenstellen. Wir wollen es nur ohne großen Organisationsaufwand bekommen und uns danach auf’s Wesentliche konzentrieren – das Skifahren. Tja, und das ist wohl ein echt gutes Ergebnis dieser Tagung für uns: Noch im letzten Jahr gab es fast nirgendwo ein inkludiertes Frühstück. Und im Winter 2009/2010 gibt es kaum noch ein Hotel in den Rocky Mountains, das das Frühstück nicht einschließt. Und dann häufig sogar als Special – also kostenlos!! – wenn man ein paar Tage länge bleibt, was wir alle ehr tun. Wer geht schon für weniger als eine Woche zum Skifahren nach Kanada?! Übrigens, in Whistler gibt es im vergleich eher wenige Hotels, die das Frühstück mit einschließen…
Tja, für was so ein Meinungsaustausch gut sein kann… Ich für meinen Teil jedenfalls würde mich freuen, wenn diese Tagung nicht ein einmaliges Event und damit ein Tropfen auf dem heißen Stein bleibt. Und wenn der ganze Olympia-Hype vor bei ist, sollte sich vielleicht auch die Nachbarprovinz British Columbia überlegen, ob so ein Treffen nicht mal ratsam wäre…
SK touristik Kanada-Weblog…
Es gibt mal wieder ein neues Blog im Netz: Das “SK touristik Kanada-Weblog”.
Meine Kollegen haben sich dazu durchgerungen, Erfahrungen die sie auf ihren zahlreichen Reisen, berufliche und private, nach Kanada, bzw. USA, zu dokumentieren. Als Spezial…
Interessante Einblicke, vielen Dank dafür. Skifahren in Kanada steht nach wie vor ganz oben auf meiner Liste, nachdem wir jetzt schon dreimal hintereinander (ja, wir spinnen!) im Sommer in diesem wundervollen Land waren.
Kann ich gut verstehen. Skifahren in Kanada ist der Hammer. Und gerade in diesem Jahr – wenn man nicht gerade nach Whistler geht. Denn fast alle anderen Skiorte legen sich mächtig ins Zeug! Zudem haben alle immer noch Angst vor der Wirtschaftskrise – das drückt die Preise noch einmal. Also, wenn dann jetzt in diesem Winter!